Das Klima auf Rügen

Das Klima auf der Insel Rügen

(von Heinz Müller)

Rügen hat ein ausgesprochenes insulares Klima, das erheblich von dem des Festlandes abweicht. Es gibt zwei Wetterzonen zu unterscheiden, ein östliches und ein westliches Küstenklima. Die Grenze zwischen beiden verläuft mitten durch Rügen, von Sassnitz über Bergen bis hin östlich von Stralsund.

Der westliche Teil, einschließlich Hiddensee, unterliegt den Auswirkungen von Tiefdruckgebieten (erhöhte Westwinde, höhere Luftfeuchtigkeit, häufigere Niederschläge ). Der östliche Teil hat schon einen etwas kontinentaleren Charakter (Luftfeuchtigkeit und Niederschlagsmengen nehmen ab, die Sonne scheint häufiger, die Frost- und Windgefährdung vom Osten, sowie die Temperaturschwankungen vergrößern sich etwas.

Das Klima der Halbinsel Mönchgut ist als besonders maritim anzusprechen, denn bedingt durch die nahezu allseitige Umrandung von Wasser ist dieser Teil allen Luftströmungen stark ausgesetzt.

Jahresniederschläge

Die jährlichen Regenmengen betragen für die Endmoränenhöhen um Bergen reichlich 650 mm. Für den zentralen Teil Jasmunds sind es 625 mm. Von beiden Höhengebieten - mit deren Staueffekt nach Süden hin - nehmen die Regenmengen stetig ab. Im Bereich der Granitz sind es nur noch 600 mm. In Thießow ist der Wert am niedrigsten. Dort werden nur noch weniger als 500 mm gemessen.

Charakteristische Merkmale unseres Klimas

- größere Windgeschwindigkeiten

- häufigere Stürme

- im Durchschnitt höhere Luftfeuchtigkeit

- Küstennebel (eher selten)

- Dämpfung der Extremtemperaturen

- Verringerung der tages- und jahreszeitlichen Temperaturschwankungen

Heilwirkung des Küstenklimas

Für das Heilklima der Sommermonate ist nicht zuletzt der geringe Luftfeuchtigkeitsgehalt der nahen Küstenzone von besonderem Wert, da im Gegensatz zum Festland kaum ein Wärmestau im Körper auftreten kann. Vorsicht jedoch bei zu langem Sonnenbaden: erhöhte UV- Strahlung, Sonnenbrandgefahr. Winde aus Richtungen von Nordwest bis Ost kommen auf Rügen grundsätzlich aus erster Hand über die offene Ostsee. Sie bringen dadurch eine kaum noch vergleichbare Reinheit der Luft mit. Darüber hinaus ist diese Luft besonders in den kalten Jahreszeiten mit jodhaltigen Gasen angereichert, die den im nahen Küstenbereich auf steinigem Untergrund wachsenden Braunalgen, dem Blasentang entweichen.

Einfluss der Ostsee

Die Ostsee wirkt als Wärmespeicher/Kältespeicher auf die Jahreszeiten sehr unterschiedlich:

Frühling

Durch häufige Hochdruckwetterlagen über Nord- und Nordosteuropa gelangen die zumeist starken und trockenen Windströmungen aus nördlicher bis östlicher Richtung nach einem relativ langen Weg über die noch sehr kalte Ostsee stark abgekühlt nach Rügen. Bis weit in den Mai hinein liegen die Temperaturen bis zu 10° niedriger als im Binnenland. Die Obstblüte verzögert sich in der Regel um 2 Wochen gegenüber dem Festland von Mecklenburg / Vorpommern.

Sommer

Die Qualität des Sommers ist abhängig von den wechselvollen Witterungserscheinungen unserer gemäßigten Breiten, ob sich mehr Hoch- oder Tiefdruckgebiete durchsetzen. Typisch, besonders für die Ostseite Rügens, ist in den Monaten April bis September das See-Landwind-Wechselsystem der Luftströmung. Bei sonnenreichen Wetterlagen, geringen Luftdruckunterschieden und schwachen Windgeschwindigkeiten erwärmen sich der Boden und die Luft- massen darüber relativ schnell. Nachts kühlen sie aber stärker ab als das Ostseewasser. Daraus ergeben sich tageszeitliche Druckunterschiede mit längeren Luftströmungen zwischen Land und Wasser:

» Vormittags setzt der Seewind vom Meer zum Land ein, der stetig zunimmt.

» Abends tritt eine Flaute ein.

» Nachts fließt die Luft in umgekehrter Richtung - vom Land zur See.

Die Seebrisen wirken an warmen und heißen Tagen besonders temperaturdämpfend, erfrischend und abkühlend. Auftretende Westwinde verursachen an der Ostküste eine ablandige Wasserströmung. Erwärmtes Oberflächenwasser wird abgetrieben, aufsteigendes kaltes Tiefenwasser gelangt in Strandnähe. Quallen sind in dem klaren kühlen Auftriebwasser ein häufige Erscheinung.

Herbst

Durch die allmähliche Abkühlung des Wassers zeichnet sich der Herbst gewöhnlich durch eine relativ ruhige Jahreszeit mit bisweilen längeren Schönwetterperioden aus, neigt andererseits aber auch zu verstärkter Wolkenbildung. Baden ist oft noch bis in den Oktober möglich.

Winter

Die Strenge des Winters, verursacht durch Kälteeinbruch aus Nord- u. Nordosteuropa, wird erheblich abgeschwächt durch die noch relativ warme Ostsee. Die Kaltluftmassen werden auf ihrem Wege, besonders an Rügens Ostküste, im Vergleich zum Binnenland bis zu 10 Grad gemildert. Daher frieren die Bodden und die Ostsee nur in strengen Wintern zu. Das noch relativ warme Wasser der Ostsee beeinflusst die darüber liegende Luft, das führt zur Intensivierung von Schneeschauern an der Küste.